Living in a Box – Lebensgefühl im »Lockdown«
Living in a Box
Aus der ersten Schachtel wird ein Wohnzimmer mit vielen Akteuren: der Zeitungsleser, die Person, die aus dem Fenster sieht, jemand, der im Raum Fitnessübungen betreibt, ein Kind in der Ecke, ein Hund, ein Vater im Sessel und die Frau mit Müllsack und Besen, die ohne Ende säubert und sammelt.
Milonga in a Box 1
Musiker spielen zur Milonga-Party auf. Allein singt eine Sängerin. Ein Paar tanzt einen Tango. Auf einer anderen Etage sieht man ein paar Zuschauer, jemand hält eine Kamera. Auf dem Dach liegt eine schlafende Figur. An der Kante des Daches sitzt eine Frau; sie hört unter sich einen Geiger spielen.
Glashaus
Aus Glasscheiben und Karton-Winkeln entsteht das Glashaus. Viele Personen sind sichtbar. Die Distanzierung ist greifbar. Jemand liegt am Boden, die Hände hilfesuchend ausgestreckt. Eine Figur ist in die Hocke gegangen. Wie in Erstarrung bleiben die anderen in "sicherer" Entfernung. Es bleibt offen, ob dem Liegenden jemals geholfen wird.
Arbeiter, Fußball
Eine andere Schachtel birgt ein Bauteil oder Instrument aus Metall. Fleißige Hände machen sich daran zu schaffen. Es bewegt sich nichts und Zuschauer betrachten entfernt, wie andere arbeiten. Auch rennt ein Fußballspieler jubelnd seinem Ball hinterher. Weit entfernt ist das nächste Tor. Zuschauer gibt es keine. Der gegnerische Torwart erwartet ihn, doch sein Tor ist unerreichbar. Er steht auf einem anderen Teil der Schachtel und ist weit entfernt.
Kleines Theater
Einige Schachteln stehen nebeneinander und bilden ein kleines Theater. Eine Katze sitzt auf der einen Schachtel, die Maus auf der anderen. Eine Kellnerin trägt ein Tablett, ohne es Gästen zu bringen. Hinten läuft eine Frau mit einem Schirm, ohne dass es regnet. Ein Mann schreitet ins Leere. Keiner trifft sich, keiner spricht. Belebte Leere.
Hose, Hand
Am Ende der ersten Corona-Arbeitsphase steht der Drang, die Welt der Schachteln zu verlassen. Das Blau einer Jeanshose entführt in eine surreale Welt. Die Weltkugel auf der 1-Cent-Münze lässt ahnen, dass sich das Gemalte wohl auf einem anderen Planeten abspielt. Dort tanzen die Figuren akrobatisch oder sitzen und schauen ins Weite. Die Zeit der Separation ist noch immer spürbar, aber manche wagen sich wieder ins Freie.
Größenvergleich
Die vorliegenden Bilder der Ausstellung sind unter dem Binokular, der Stereolupe, bei zwanzigfacher Vergrößerung gemalt worden. Um diesen Größenfaktor sichtbar werden zu lassen, gibt es hier einige Aufnahmen mit einer Büroklammer. (Ich habe keine riesigen Büroklammern, sondern male so kleine Bilder.) Die auf dem Dach liegende Figur ist so groß wie der Same eines Löwenzahns. Die Aufnahmen von Druckwerken in dieser Vergrößerung lassen die Rasterpunkte des Vierfarbendrucks sichtbar werden.