Living in a Box – Lebensgefühl im »Lockdown«

Living in a Box

Aus der ersten Schachtel wird ein Wohnzimmer mit vielen Akteuren: der Zeitungsleser, die Person, die aus dem Fenster sieht, jemand, der im Raum Fitnessübungen betreibt, ein Kind in der Ecke, ein Hund, ein Vater im Sessel und die Frau mit Müllsack und Besen, die ohne Ende säubert und sammelt.

Milonga in a Box 1

Musiker spielen zur Milonga-Party auf. Allein singt eine Sängerin. Ein Paar tanzt einen Tango. Auf einer anderen Etage sieht man ein paar Zuschauer, jemand hält eine Kamera. Auf dem Dach liegt eine schlafende Figur. An der Kante des Daches sitzt eine Frau; sie hört unter sich einen Geiger spielen.

Milonga in a Box 2

Versteckt an der Seite sitzt ein Paar auf einer Bank. In der einsamen Weite hinter ihnen schreitet ein Mann. Nur die kleine Frau mit Eimer und Staubsauger will antreten, alles zu reinigen. Sie mahnt die Separierten zur Hygiene und Ordnung.

Milonga in a Box 3

Im Vordergrund umarmt ein Mensch den Hals eines übergroßen gereinigten und frisch gespülten Weinglases, auf dessen Fuß jemand einfach nur sitzt. Alle bevölkern das Bild in sicherem Abstand voneinander, nur die Musik verbindet die Anwesenden.

Glashaus

Aus Glasscheiben und Karton-Winkeln entsteht das Glashaus. Viele Personen sind sichtbar. Die Distanzierung ist greifbar. Jemand liegt am Boden, die Hände hilfesuchend ausgestreckt. Eine Figur ist in die Hocke gegangen. Wie in Erstarrung bleiben die anderen in "sicherer" Entfernung. Es bleibt offen, ob dem Liegenden jemals geholfen wird.

Arbeiter, Fußball

Eine andere Schachtel birgt ein Bauteil oder Instrument aus Metall. Fleißige Hände machen sich daran zu schaffen. Es bewegt sich nichts und Zuschauer betrachten entfernt, wie andere arbeiten. Auch rennt ein Fußballspieler jubelnd seinem Ball hinterher. Weit entfernt ist das nächste Tor. Zuschauer gibt es keine. Der gegnerische Torwart erwartet ihn, doch sein Tor ist unerreichbar. Er steht auf einem anderen Teil der Schachtel und ist weit entfernt.

Swimming in a Box

Einige Porzellanschalen, die übereinandergestapelt sind, bieten Platz für drei Sitzende am Beckenrand und einen Schwimmer mit einem weißen Ball. Jemand saugt die Fläche, auf der sich alles abspielt. Das unterstreicht, dass alles "clean" und keimfrei ist.

Skiing in a Box

Auf einer Papp-Rolle könnte man Skifahren. Die Figuren sind aktiv und tragen Skier oder ein Snowboard. Was fehlt, das ist der Schnee.

Kleines Theater

Einige Schachteln stehen nebeneinander und bilden ein kleines Theater. Eine Katze sitzt auf der einen Schachtel, die Maus auf der anderen. Eine Kellnerin trägt ein Tablett, ohne es Gästen zu bringen. Hinten läuft eine Frau mit einem Schirm, ohne dass es regnet. Ein Mann schreitet ins Leere. Keiner trifft sich, keiner spricht. Belebte Leere.

Sleeping in a Box

In der Schachtel mit drei Plätzen schläft es sich komfortabel: drei Figuren liegen in gebührendem Abstand, ohne Kontakt. Ob sie miteinander Gespräche führen, ist unklar.

Living in a Bag

Figuren in Plastiktüten, keimfrei isoliert, können sich sehen, aber sie kommen aus ihrer "Tüte" nicht heraus. Sie können nicht zueinander kommen.

Hochhaus

Über den Dächern zweier Hochhäuser begegnen sich zwei Menschen. Die eine Person sitzt, die andere steht. Nur das Gespräch verhindert, was passieren könnte - denn jeder steht auf seinem Hochhaus.

Fight

Zwei Kämpfer nutzen ihre Schachtel als Kampfplatz. Im Zweikampf stehen sie sich drohend gegenüber.

Zwei Fußballer

Zwei Fußballspieler schießen sich den Ball zu – auf einem zerteilten Spielfeld. Zwei mächtige Hände halten die beiden Felder. Einige Zuschauer nehmen teil. Der Ball schwebt im leeren Raum, wie ein Atomkern, ohne Kontakt zu den Spielern.

Mutter, Kind

Eine Mutter mit ihrem Kind sitzt in einem Sandkasten. Sie streckt dem Kind etwas entgegen. Es entsteht Nähe und Vertrautheit, und doch sind sie beide miteinander allein. Auch sie atmen eine allgegenwärtige Einsamkeit.

Pianist

Ein Pianist spielt auf einem Flügel. Die Töne steigen aus dem Instrument und erfüllen den Raum. Er zaubert seine Klangwelt in die Stille. Musik erfühlt die Schachtelecke, die als "neu" angepriesen wird – wie in einem leeren Kaufhaus.

Schachtel-Ich

Natürlich gibt es auch meine eigene Schachtel. Sie passt in einen Kronenkorken, gefüllt mit vergoldetem Salz aus dem Toten Meer. Dort gelten meine Regeln und dort empfinde ich meine Freiheit. Die kleine Schachtel bietet mir Schutz und ist meine Wirkungsstätte.

Smoker

Der Qualm macht aus der Schachtel des "Smokers" einen riesigen Schornstein. Ins Rauchen vertieft löst sich für ihn alles in einen gewaltigen Rauch auf.

Scheherazade

In der alltäglichen Monotonie ist das "Märchenhafte" eine willkommene Abwechslung. Scheherazade erzählt die Märchen aus 1001 Nacht. Sie ist fast wie eine Astronautin in prächtige Gewänder gehüllt.

Schachtel »Elle«

Aus der Überraschungsschachtel kommt ein Seestern mit einem freundlichen Geist. Auf dem Deckel der Schachtel übt ein Mädchen im weißen Kleidchen Ballett. Es springt und gleicht dem Seestern mit seinen fünf Armen.

Hose, Hand

Am Ende der ersten Corona-Arbeitsphase steht der Drang, die Welt der Schachteln zu verlassen. Das Blau einer Jeanshose entführt in eine surreale Welt. Die Weltkugel auf der 1-Cent-Münze lässt ahnen, dass sich das Gemalte wohl auf einem anderen Planeten abspielt. Dort tanzen die Figuren akrobatisch oder sitzen und schauen ins Weite. Die Zeit der Separation ist noch immer spürbar, aber manche wagen sich wieder ins Freie.

Größenvergleich

Die vorliegenden Bilder der Ausstellung sind unter dem Binokular, der Stereolupe, bei zwanzigfacher Vergrößerung gemalt worden. Um diesen Größenfaktor sichtbar werden zu lassen, gibt es hier einige Aufnahmen mit einer Büroklammer. (Ich habe keine riesigen Büroklammern, sondern male so kleine Bilder.) Die auf dem Dach liegende Figur ist so groß wie der Same eines Löwenzahns. Die Aufnahmen von Druckwerken in dieser Vergrößerung lassen die Rasterpunkte des Vierfarbendrucks sichtbar werden.